Die Vereinsgeschichte
Der Weg nach oben
Die folgenden Jahre zeigten geradezu beispielhaft, mit welcher Problematik die Abhängigkeit eines Sportvereins von Sponsoren verbunden ist. So fielen die größten sportlichen Erfolge, als auch eine Fülle von Problemen in diese Zeit.
Während dieser Zeit machte der weitere Ausbau der bestehenden Abteilungen und die große Zahl von Neuaufnahmen den SC Eintracht zum mitgliederstärksten Hammer Verein. Die Bemühungen um Spitzensport beschränkte sich aber nicht nur auf den Fußball, auch in der Leichtathletik fasste das Erfolgskonzept. Fast 40 Deutsche- Meistertitel holten die (früheren) Leichtathletik- Damen des SC Eintracht; auf Laufstrecken von 100m bis 800m, den Staffel und im Weitsprung galt Hamm neben Sindelfingen als zweites Zentrum des Spitzensports. Stellvertretend für diese Erfolge seien Gabi Bußmann (WM-Vierte 1987 in Helsinki, Olympia-Dritte 1984 mit der Staffel, vielfache Deutsche Meisterin ) und Helga Arendt (Weltmeisterin 1989 über 400m in der Halle) angeführt.
Die weitere Entwicklung im Fußballbereich ging ebenfalls steil nach aufwärts. Die massiv verstärkte Mannschaft gewann am vorletzten Spieltag der Saison 79/80 in Soest durch zwei Tore von Peter Kaczor mit 2 : 1und stieg damit erstmalig in die Verbandsliga auf. Zum Kader des SC Eintracht gehörten in diesem erfolgreichen Jahr : Schuster, Röser, Schlieper, V. Messner, Popil, Elmerhaus, Kaufmann, Hanning, Mehle, Sperlich, Hölscher, Albring, Kampschulte, P. Kaczor, Tzschachmann und Bauer. Die Tendenz, die Mannschaft durch Spieler der Hammer SpVg zu ergänzen, wurde später mit Torwart Welp und M. Bremser fortgesetzt.Den Spielball für das letzte Heimspiel gegen den VFL Kamen brachte ein Sponsor per Fluggerät- der Tradition entsprechend- vor dem Anpfiff in des Stadion.
Mit weiteren Verstärkungen gelang im folgenden Spieljahr ein Durchmarsch in die Verbandsliga, so das der SC Eintracht in nur zwei Jahren das Amateuroberhaus erreicht hatte. Der letzte Heimsieg wurde vor mehr als 2500 Zuschauern mit 3 : 0 gegen ASC Schöppingen gefeiert.

Spielerkader der Saison 80/81: h. R. V. l. Trainer Koch, Messner,Schlieper, Mehle, Räse, Albring, Hannig, Kampschulte,Bremser, P. Kaczor, Elmerhaus, Welp, v. R. Tzschachmann, Popil, Fehn, Inckmann, Bauer,Vatheuer und Hrubesch
Höhepunkte der ersten Oberligasaison waren die Ortsderbys mit der Hammer SpVg, von denen insbesondere das Heimspiel im August 1981 ( vor 6500 Zuschauern gewann der SCE mit 4 : 3 nach 1 : 3 Rückstand ) den Machtwechsel in Hammer Fußball andeutete. In der Endabrechnung war der 6. Platz für einen Neuling ein großer Erfolg.
Unter Trainer Klaus- Peter Koch, der schon seit 1978 für den Verein tätig war, wurde die Mannschaft in der Offensive erheblich verstärkt und galt als einer der Favoriten der Saison 82/83. In diesem Jahr ziehlten die >Bemühungen der Verantwortlichen dahin, neben Topstürmern des Amateurbereichs ( zu dem Ex- Profi Harry Lopatenko ) ehemalige Heessener von anderen Vereinen zurückzuholen. So kehrte von Arminia Bielefeld Eduard Angele zurück, von Wattenscheid Helmut Reiners. Fortgesetzt wurde diese Tendenz später mit Jupp Kaczor. Nach spannendem Saisonverlauf behielten der SC Eintracht im Zweikampf mit RW Lüdenscheid die Nase vorn und gewann den ersten Westfalenmeistertitel für den SC Eintracht Hamm.

Westfalenmeister 1983: h. v. l. Betreuer Grünendahl, Ellbracht, Elmerhaus, P. Kaczor, Schlieper, Albring, Bennett, Lopatenko, Berger, Sinningen, Reiners, Trainer Koch, Abteilungsleiter W. Groß; Masseur Woiwod, Mehle, Hrubesch, Welp, Bremser, Paus, Vatheuer, Bauer, Kampschulte und K. Groß
Die sich anschließende Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga mit Spielen gegen RW Oberhausen, SSC Charlottenburg und den FC St. Pauli erbrachten den 3. Platz bei 5 : 7 Punkten- letztlich fehlte ein Zähler zum Aufstieg in den bezahlten Fußball.
Auch die nächste Saison 83/84 war personell vom allerfeinsten. Neben Rückkehrer Kaczor kamen Harald Schötteldreier und Willi Brock von Borussia Dortmund zum alten Kader. Nach Unstimmigkeiten ging dieses Duell in der Endabrechnung knapp verloren. Als Vizemeister spielte sich der SC Eintracht mit Siegen über Viktoria Köln und die Amateure von Werder Bremen bis in das Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft, das in Offenburg vor 8000 Zuschauern mit 1 : 4 verloren ging.
Deutscher Vizemeister der Amateure 1984: v. l. P. Kaczor, Schötteldreier, Reiners, Watermann,Paus, Lopatenko, J. Kaczor, Hrubesch, Mehlr, Brock, und Ellbracht
Im folgenden Jahr Spieljahr präsentierte der SCE mit Bobby Wischnewski vom RW Lüdenscheid einen weiteren Klassespieler; mit Friedhelm Wenzlaff einen Trainer, der mit dem MSV Duisburg schon Erstligaerfahrung gesammelt hatte.Wichtigste Ereignis war jedoch der sich abzeichnende Zusammenbruch der Hammer Bank: im November 1984 wurde Bankchef Paul Schulte in Untersuchungshaft genommen. Trotz der Unsicherheit über die weitere Zukunft des Vereins war die Mannschaft stark genug, ein zweites mal den Titel des Westfalenmeisters nach Hamm zu hohlen und sich für die Aufstiegsrunde zu qualifizieren.
Diese Aufstiegsrunde war für den Verein eine letzte Möglichkeit ohne Hammer Bank Spitzenfußball zu präsentieren. Die Spiele der Aufstiegsrunde bewiesen erneut, dass das Einzugsgebiet für eine überdurchschnittliche Mannschaft durchaus gegeben war- mit den Aufstiegsbegegnungen sahen in der Spielzeit 84/85 über 60.000 Zuschauer die Heimspiele des SC Eintracht. In dieser Runde um den Aufstieg in die Zweite Liga hatte die Mannschaft eine große Chance auf einen der beiden ersten Plätze, in der Auseinandersetzung mit RW Essen, dem VFL Osnabrück, TB Berlin und dem SV Hummelsbüttel. Als entscheidende Situation war ein von Harry Ellbracht verschossener Elfmeter beim Stand von 1 : 1.

Westfalenmeister 1985 h. R. v. l. K.Groß, Mehle, Externbrink, Albring, Wenzlaff, Lopatenko, J.Kaczor, P. Kaczor, W. Groß, Grünendahl, m. R: Elmerhaus, Bennett, Welp, Brock, Koop, Woiwod,; v. R. Schötteldreier, Wischnewski, Paus und Ellbracht
Im Rückblick legt Harry Ellbracht Wert darauf, dass von einem absichtlich verschießen keine Rede sein kann, obwohl er das dem DFB vorgelegte Konzept für die Zweite Bundesliga nachträglich für sehr fragwürdig hält. Die vorgelegten Bilanzen und Perspektiven des Vereins- eng an die Möglichkeiten der Bank geknüpft- waren zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr realistisch.
Es kann nicht Aufgabe dieser Seite sein, die Hintergründe des Zusammenbruchs der Hammer Bank aufzuarbeiten oder eine Bewertung vorzunehmen. Als Fazit bleibt jedoch: Die Abhängigkeit des Vereins führte zu einer existentiellen Gefährdung, die später in Gedanken zur Vereinsauflösung gipfelte. Noch wichtiger war jedoch der Vertrauensverlust in der Region, der es bis weit in die 90er Jahre fast unmöglich machte, in irgendeiner Form Unterstützung für den Verein zu finden.